Zuwachs im Klavier-Quartier: Ein historischer Blüthner-Flügel
Unser jüngst gegründetes Klavier-Quartier im östlichen Teil des ehemaligen Schleicher & Schuell-Komplexes ist als lebendiges Depot, Begegnungsort und zukünftige Werkstatt gedacht. Es soll ein Raum sein, in dem Instrumente nicht nur gelagert, sondern mit Leben gefüllt werden. Dass dieses Konzept bereits Früchte trägt und Menschen tief bewegt, zeigt eine wunderbare Schenkung, die uns vor wenigen Tagen erreicht hat: Wir haben einen historischen Blüthner-Flügel in unsere Obhut übernehmen dürfen!
Der Flügel stammt aus den Händen von Dr. Stephan Eberle aus Braunschweig. Seine Zeilen, die er uns zur Übergabe mit auf den Weg gegeben hat, beschreiben im Kern genau das, was die Klavierstadt Einbeck antreibt:
„Das Engagement, das hinter dem Konzept der „Klavierstadt“ steht, beeindruckt mich sehr. Wie ich es verstehe, versuchen Sie die Voraussetzungen zu schaffen, unter denen sich insbesondere junge Talente entwickeln und zugleich in den Kulturraum der Stadt Einbeck hineinwirken können. Indem Sie dabei gerade auch den alten Instrumenten eine Chance geben, sind Sie nach meinen Beobachtungen der Zeit voraus.“ (Brief vom 28. Mai 2026)
Ein Instrument mit besonderer Seele und Bauart
Bei dem Neuzugang im Klavier Quartier handelt es sich um ein ganz besonderes Stück Klavierbaugeschichte. Dr. Eberle wies uns auf die baulichen Finessen hin: Der Flügel besitzt drei statt der heute üblichen zwei Stege. Dank dieser aufwendigeren Bauart und den überdurchschnittlich langen Saiten der Mittellage entfaltet das Instrument schon jetzt – ganz ohne vorherige Sanierungsmaßnahmen – einen wunderbaren, warmen Klang mit einer faszinierenden Färbung.
Besonders am Herzen liegt dem bisherigen Eigentümer auch die äußere und innere Bewahrung des Flügels. Sollte in der Zukunft eine größere Überarbeitung anstehen, werden wir seinen Rat gewiss beherzigen: Dem Holz zuliebe soll auf modernen Polyesterlack verzichtet und stattdessen die traditionelle, akustisch wertvollere Schellack-Methode gewählt werden. Wer einmal mit dem Zeigefingerknochen gegen die Zargen dieses Blüthner-Flügels klopft, spürt sofort, wie sehr das Holz hier den Klang aktiv mitgestaltet.
Ein ganz besonderes historisches Detail befindet sich zudem auf der Innenseite des Deckels: Das originale Firmenschild eines Klavierhändlers aus Königsberg. Ein hochemotionales Stück Erinnerungskultur, auf dessen Verbleib wir im Klavier-Quartier natürlich ganz besonders Acht geben werden.
Die Zukunft: Klangraum für junge Talente
Der Blüthner-Flügel muss allerdings gar nicht auf eine ferne Sanierung warten, um gespielt zu werden. Dank seines bemerkenswert guten Grundzustands wird er ab sofort (s)eine Rolle in unserer Kulturarbeit einnehmen können. Im Rahmen unserer kommenden FEUERWERK Klavierakademien werden wir das Instrument unseren Studentinnen und Studenten der Klaviermusik zur Verfügung stellen. Historische Instrumente fordern und fördern junge Talente auf eine ganz eigene, sensible Weise und schulen das Gehör für Klangfarben, die moderne Instrumente oft nicht mehr transportieren. Eine umfassende Sanierung behalten wir fest für die Zukunft im Blick.
Ein großes Dankeschön an die Wegbegleiter
Der durch die Klavierstadt durchgeführte Transport von Pohle in die Klavierstadt und die vertrauensvolle Abwicklung der Übergabe eines solchen gewichtigen Instrumentes gelingen nie allein. Unser ganz herzlicher Dank gilt Klavierbaumeister Ulrich Simon aus Pohle. Er hat das historische Instrument im Vorfeld bei sich in der Klavierwerkstatt im Rahmen einer Zwischenaufnahme behütet und fachmännisch betreut, bevor die Reise nach Einbeck weitergehen konnte. Auch möchten wir dem Klavierbauer Ralf Kühn herzlich für die Vermittlung dieses nach einer neuen Heimat suchenden Instrumentes an die Klavierstadt danken.
Die Wünsche, Anregungen und die tiefe Wertschätzung von Dr. Stephan Eberle nehmen wir als wertvolles Erbe mit in die Zukunft des Klavier-Quartiers.
Unser Blühtner landet sicher im Klavier Quartier.
….klingt wirklich gut – der Flügel, wohlgemerkt!
Der 1875 gebaute Blüthner-Flügel der Klavierstadt Einbeck trägt übrigens den Namen „Therese“.
Wie dieser Flügel zu diesem schönen Namen kam….










