Präzisionsarbeit im Klavier-Quartier: Wie Flügel „Rudolf“ zu neuem Leben erwacht
Das Klavier-Quartier in Einbeck ist nicht nur ein Ort der Begegnung und des Klingens, sondern auch der Ort, an dem wir den Erhalt und die Pflege unserer historischen und wertvollen Instrumente mit echter Leidenschaft und professionellem Handwerk angehen.
Dass unsere Instrumente bei Konzerten, Meisterklassen und Wettbewerben stets auf höchstem Niveau klingen, ist zu einem großen Teil das Verdienst von Maurice Hopp. Seit 2007 begleitet der erfahrene Klavierstimmer und Klavierbauer die Klavierstadt Einbeck und den Konzertbetrieb unseres Kulturvereins. War es über die Jahre hinweg maßgeblich das Stimmen von Dutzenden Klavieren und Flügeln, so stehen mit dem Aufbau des Klavier-Quartiers nun immer öfter auch umfassende klangliche und mechanische Instandsetzungen auf dem Programm, die seine volle klavierbauerische Expertise fordern.
Jüngst hat sich Maurice einem ganz besonderen Neuzugang gewidmet: unserem Flügel „Rudolf“ (ein historischer Grotrian-Steinweg / Grotrian Nachf.), der erst vor Kurzem aus Bad Gandersheim zu uns nach Einbeck gezogen ist.
Aufwendige Stimmung und neue Besaitung
Nach längerer Standzeit benötigte „Rudolf“ zunächst eine grundlegende Grundstimmung. Um das Instrument wieder auf den standardmäßigen Kammerton zu bringen, musste der Flügel komplett um einen guten halben Ton nach oben gezogen werden. Bei einer solch enormen Zugkrafterhöhung an alten Saiten bleibt es nicht aus, dass gelegentlich Material ermüdet – so rissen bei der ersten Behandlung sechs Saiten.
Beim folgenden Termin zog Maurice daher sechs neue Saiten auf und führte im Anschluss einen zweiten, feinfühligen Durchgang zum Stimmen aller 88 Töne durch, damit die neue Besaitung ihre Stimmhaltung stabilisieren kann.
Klangkultur: Hammerköpfe abziehen und intonieren
Über die Jahrzehnte hinterlassen die Stahlsaiten tiefe Furchen im Filz der Hammerköpfe, was den Ton oft hart oder unausgewogen macht. Maurice hat daher die Hammerköpfe komplett abgezogen. Eine handwerkliche Arbeit, die zwar eine Menge Filzstaub verursacht, aber entscheidend für den Klang ist: Die Hammerköpfe präsentieren sich nun wieder glatt, in ihrer Ursprungsform und mit einer homogenen Filzhärte über das gesamte Frequenzspektrum. Abschließend wurden die Hammerköpfe sorgfältig nivelliert, um einen gleichmäßigen Saitenanschlag zu garantieren.

Präzisionsarbeit am Bass: Austausch des Repetitionsglieds
Beim Ausbau einer Flügelmechanik ist äußerste Vorsicht geboten. Wird beim Herausziehen versehentlich die Taste des tiefsten Tones leicht heruntergedrückt, kann das hochstehende Mechanikglied an der Gehäuseleiste hängenbleiben und anbrechen. Genau diese Beschädigung musste am tiefsten Ton A,, behoben werden.
Beim Blick auf die freigelegte Mechanik wird die faszinierende Feinmechanik des Grotrian-Flügels erst richtig sichtbar: Für den tiefsten Bass musste das beschädigte Mechanikglied komplett ausgetauscht werden.

Auf dem Foto ist die neu eingesetzte Baugruppe – bestehend aus Hammerstielkapsel, Hammerstiel mit Röllchen, Hammerkopf sowie der dazugehörigen Wippe (Repetitionsmechanik) – ganz vorne am linken Bassrand deutlich zu erkennen. Das hellere Holz der frisch montierten Kapsel sticht optisch hervor.
Nach dem Festschrauben an der Hammerbank folgte der entscheidende Schritt: das exakte Ausrichten (Auskennen) des Hammerkopfs auf den Saitenverlauf sowie das feinfühlige Regulieren von Steigung, Auslösung und Fänger, damit die Spielart bis in den tiefsten Bass hinein wieder perfekt anspricht.
Handwerkliche Expertise für die Tasteninstrumente der Klavierstadt
Dank der langjährigen Erfahrung von Maurice Hopp können wir sicher stellen, dass die uns anvertrauten Instrumente fachgerecht restauriert, reguliert und gepflegt werden – für unvergessliche Klangmomente in der Klavierstadt Einbeck.
Klavierstimmer benötigt – hier geht’s zur Seite von Maurice Hopp.










