Therese – unser Blüther aus dem Jahre 1875
Nach dem Gedicht
Therese von Gottfried Keller
Vertont von Johannes Brahms / Opus 86, Nr. 1
Du milchjunger Knabe,
Wie schaust du mich an?
Was haben deine Augen
Für eine Frage getan!
Alle Ratsherrn in der Stadt
Und alle Weisen der Welt
Bleiben stumm auf die Frage,
Die deine Augen gestellt!
Eine Meermuschel liegt
Auf dem Schrank meiner Bas‘:
Da halte dein Ohr d’ran,
Dann hörst du etwas!
Therese
unser Blüthner in der Klavierstadt Einbeck
Der 1875 gebaute Blüthner-Flügel der Klavierstadt Einbeck trägt den Namen „Therese“. Inspiriert wurde dieser Name von dem gleichnamigen Gedicht Gottfried Kellers, das Johannes Brahms vertonte. Es ist eine kleine, zarte Szene: Ein junger Mensch sucht nach einer Antwort auf eine Frage, die sich nicht aussprechen lässt. Therese antwortet nicht mit Worten. Stattdessen verweist sie auf eine Meermuschel, die auf dem Schrank ihrer Base liegt.
Wer sein Ohr an eine Muschel legt, hört ein fernes Rauschen. Es ist kein wirklicher Ruf aus der Tiefe des Meeres und doch erinnert es daran, dass es Dinge gibt, die größer sind als wir selbst. Das Gedicht erzählt von jener leisen Gewissheit, dass nicht jede Wahrheit erklärt werden kann. Manche Antworten erschließen sich erst im Zuhören. Nicht im Lärm der Welt, sondern in den feinen Schwingungen, die das Herz erreichen.
Vielleicht ist es genau das, was auch diesen Flügel ausmacht. Seit mehr als 150 Jahren trägt er Klänge, Erinnerungen und Geschichten in sich. Niemand weiß, welche Hände über seine Tasten glitten, welche Hoffnungen, welche Freuden und welche Abschiede er begleitet hat. Heute steht „Therese“ in der Klavierstadt Einbeck und lädt dazu ein, ihr zuzuhören. Wie die Muschel aus Kellers Gedicht bewahrt sie etwas von der Ferne, von vergangenen Zeiten und von jenem Geheimnis, das sich nicht erklären lässt – wohl aber hören.
